Erste Zusammenkunft der RG Chemnitz  am 16.03.2016 Zurück

Pünktlich um 13.00 Uhr trafen sich 42.Bergkameraden unserer Regionalgruppe im ehemaligen Kaufhaus „Schocken“ am Stefan Heym Platz 1 im Zentrum von Chemnitz. Einleitend hat unser Bergkamerad Gunter Schlicke drei neue Mitglieder unserer Regionalgruppe vorgestellt: Dr. Günter Ducke, Dr. Günter Palme ,die von uns mit Beifall begrüßt worden sind.Das dritte Mitglied Rainer M Türmer Geschäftsführer des Belegschafts-und des kaufmännsches Ressorts der Wismut GmbH ,wurde bereits durch unseren BK Gunter Schlicke am 29.2.16 in unseren Reihen aufgenommen.

Danach sprach die Direktorin des Staatlichen Museums für Archäologie, Frau Dr. Sabine Wolfram zur Geschichte des Kaufhauses „Schocken“. Simon Schocken (1874 bis 1929) und sein Bruder Salman Schocken (1877 bis 1959) gründeten im Jahre 1906 die Kaufhauskette „Schocken“. Das erste Kaufhaus öffnete seine Pforten im erzgebirgischen Oelsnitz. In Zwickau wurde die Zentrale der Kaufhauskette angesiedelt. Von hier aus entwickelte sich auf Grundlage des sehr erfolgreichen Warenhauskonzeptes die Firma „Schocken“ zur viertgrößten Kaufhauskette Deutschlands. Durch die zentrale Bestellung bei den Warenproduzenten konnten günstige Lieferkonditionen ausgehandelt werden. Weitere Filialen wurden nach und nach in Freiberg, Meißen, Aue, Crimmitschau, Nürnberg, Zerbst, Cottbus und im Jahre 1930 auch in Chemnitz eröffnet. Das Unternehmen beschäftigte bis zu 6 000 Mitarbeiter – 60% waren Frauen. In einer Hauszeitung werden wichtige Informationen und Verhaltensleitsätze für die Belegschaft abgedruckt. Die Firma betreibt ein Erholungsheim für ihre Mitarbeiter, vergibt Stipendien für begabte Kinder und würdigt gute Leistungen verdienstvoller Mitarbeiter in einem Gedenkbuch der Firma. Zweifelsohne Zeichen einer sozialen Führung des Unternehmens.

Im Jahre 1930 wird das Kaufhaus „Schocken“ in Chemnitz nach Plänen des begnadeten Architekten Erich Mendelson (1887 bis 1953) gebaut – die Architektur ist für die damalige Zeit sehr verwegen. Eine abgerundete Vorderfront, 5 Volletagen sowie 3 zurückgesetzte Etagen – sehr gefällig, auch heute noch.

Im Jahre 1933 emigriert Salman Schocken nach Palästina und im Jahre 1938 wird die Handelskette von den Nationalsozialisten enteignet.

Nach 1945 wird das Gebäude zum „Haus der Volkssolidarität“ umfunktioniert, aber letztendlich wird es wieder ein Kaufhaus der Handelsorganisation (HO). Nach der politischen Wende läuft das Kaufhaus nicht sehr gut und muss letztendlich aufgeben werden. So ergeht es in Chemnitz auch dem Kaufhaus „Tietz“. Beide Häuser werden zu Museen umfunktioniert – das „Tietz“ wird das Naturkundemuseum und das „Schocken“ wird das Staatliche Museum für Archäologie. Und dieses Museum – das „smac“, wie es der Volksmund nennt – besuchten wir nach einem kleinen Imbiß im Foyer des Hauses.


Im zentralen Aufgang ist über vier Etagen ein stratigraphisch-lithologisches Profil des Quartärs vom Pleistozän (Eiszeit) bis zum Holozän dargestellt – für einen Geologen ein absolutes Erlebnis. Sehr überzeugend dargestellt sind Strukturen der glazialen Grundmoräne der Elster-Eiszeit und den nachfolgenden Warm- und Kaltzeiten.

Ganz oben, für die 4. Etage bereits vorbereitet, kann man schon die Bildungen des Holozäns – also unserer Jetztzeit – mit den Fundamenten unserer heutigen Wohngebäude erkennen.


Auf der Ausstellungsfläche der ersten Etage wird das Leben der frühen Jäger und Sammler der Altsteinzeit dargestellt. Auf dem Gebiet des heutigen Sachsens treten Menschen erstmals vor etwa 300 000 Jahren in Erscheinung. Eindrucksvoll ist hier der „gläserne Neandertaler“ - unsere Führerin meinte eine Frau, wir hatten eine andere Meinung.

Auf der zweiten Etage werden die Kulturen der „Sesshaftigkeit“ von der Jungsteinzeit (ab 5 500 v. Chr.) bis zum frühen Mittelalter (bis anno 800 n. Chr.) dargestellt. Die Bevölkerung dieser Periode beschäftigte sich mit Ackerbau und Viehzucht. Eine ca. 7 200 Jahre alte hölzerne Brunnenfassung weckt unser Interesse. Die daraus geborgenen Gefäße sind wahrhaftige „Archive“ aus der Frühzeit unserer Kulturgeschichte.

Dann geht’s in die dritte Etage – hier wird die Periode von der slawischen Ansiedlung bis zur Industrialisierung dargestellt – also die Zeit zwischen anno 800 bis in's Jahr 1850. Slawen und Deutsche erschließen den Raum flächendeckend mit dem Bau von Dörfern, Klöstern, Burgen und Städten. Unser Interesse wird auf die Entwicklung des Silber- und Buntmetallbergbaus im Erzgebirge gelenkt. Georg Agricola (1494 bis 1555), der Urvater des erzgebirgischen Bergbaus, schuf mit seiner „De re metallica XII“ erste Grundlagen für die Montanwissenschaften. Die Inbetriebnahme von Eisenbahnlinien (1839: Dresden – Leipzig) waren neben der Nutzung bedeutender Rohstoffvorkommen in Sachsen eine wichtige Voraussetzung für seine beispielgebende Industrialisierung.


Die Zeit verging wie im Fluge – nicht alles konnte man erfassen und es wird uns klar: Hier müssen wir uns demnächst wieder blicken lassen, vielleicht mit den Enkelkindern …

Besonders gespannt kann man heute schon auf die vierte Etage sein – auf die Zeit von 1850 bis in unsere Tage.


Glück auf !

Dr. Manfred Schauer