Exkursion und Mettenschicht  Besucherbergwerk Pöhla am 23.11.2016 Zurück

Mehr als 40 Bergkameraden unserer Regionalgruppe z.T. begleitet von ihren Ehefrauen starteten am 23.11.2016 pünktlich um 12.30 Uhr bei strahlendem Sonnenschein zur Fahrt ins Erzgebirge. Angekommen in Pöhla wurden wir zunächst mit Grubenhelm ausgerüstet. Nach Begrüßung mit einem kräftigen „Glück auf“ machten wir uns auf den Weg in den Pöhlaer Stolln zum Bahnhof der Grubenbahn, die uns 3000m in den Berg bringen sollte. Nach etwa 15 minütiger Fahrzeit kamen wir zum Grubenteil Hämmerlein der Komplexlagerstätte Tellerhäuser/Hämmerlein. Vor weiterer Schilderung unser Grubenfahrt seien ein paar Bemerkungen zur Gewinnung in der Lagerstätte selbst eingefügt:


Im Oktober 1967 begann durch die SDAG Wismut mit Vortrieb des Stollns Pöhla die Erschließung der Lagerstätte. Ziel war die Gewinnung der nach Erkundungsarbeiten im Berg vorgefundenen Uranerze im Bereich der Teillagerstätte Tellerhäuser. 1970 erreichte die Auffahrung eine Länge von fast 8000m. Bei bei ca. 3000m wurde die Zinnerzlagerstätte Hämmerlein durchfahren, die heute als Besucherbergwerk für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Tellerhäuser diente 1983 bis 1991 der Uranerzgewinnung mit einem Gesamtertrag von 1200t Uran. 1975 bis 1979 erfolgte die Auffahrung von Experimentalabbaublöcken in der Lagerstätte Hämmerlein mit einem Ertrag bis von insgesamt 210t Zinn aus Erzen mit einem Gehalt von 0,31% im Skamerz und 0,34% im Schiefererz der Lagerstätte. Nach Einstellung des aktiven Bergbaus im Jahre 1991 verblieben noch beträchtliche Vorräte an Zinn- und Zinkerzen sowie Magnetit in Begleitung u.a. von Silber, Cadmium und Indium, die auf

künftig unter verbesserten Weltmarktpreis- und Aufbereitungsbedingungen auf ein neues, zumindest„ kleines Berggeschrei“ hoffen lassen.

(Angaben entnommen aus www.mineralienatlas.de/Komplexlagerstätte Tellerhäuser/Hämmerlein)


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Angekommen im Grubenteil Hämmerlein und aufgeteilt in mehrere Gruppen begegneten wir bei nun folgenden Bergführung an verschiedenen Orten der zu Gewinnungszeiten angewandten Bergbautechnik. Fachkundige Erläuterungen des Bergführers unserer Gruppe, Bergkamerad Detlef Kolodziej, zu Abbau- und Ausbauarten sowie über die eingesetzten Bohrmechanismen und Fördertechniken sowie über ein Bohr- und Zündschema im Horizontalvortieb wurden durch Schilderung eigener Erfahrungen von Bergkameraden unserer Traditionsvereins aus ihrer aktiven Zeit ergänzt.

Hinweise auf die stattgehabte Arbeitsschwere, auf Staub-, Vibrations- und Lärm- und Strahlenbelastungen der Bergleute führten uns noch einmal deren gesundheitliches Gefährdungspotential vor Augen.

 

Auf dem Weg durch den Berg kamen wir ferner zu einer beleuchteten „Bergvitrine“, die einige schöne Stufen der in der Grube vorkommenden Mineralien beherbergt. Unser Bergführer berichtete bei deren Erläuterung auch über einen Diebstahl einer großen Barytstufe mit einem geschätzten Wert von mehreren zehntausend Euro aus dem alarmgesicherten Ausstellungsort, der bis heute nicht restlos aufgeklärt werden konnte.


Ein weiterer Höhepunkt der Befahrung waren die Einblicke in die in den 70-iger Jahren  aufgefahrenen Zinnkammern. Mit einer Länge jeweils  von 45m, einer Breite von 10m und einer Höhe von 12m gelten sie als die größten von Europa und sind für die Besucher eindrucksvolles Zeugnis vom fachmännischen Können der Wismutbergleute.




Über den Anstieg über eine Rampe erreichten wir dann den weihnachtlich festlich geschmückten untertägigen „Konzertsaal“ des Besucherbergwerk. Hier erwartete uns ein etwa 45minütiges Konzert bestritten von einem Bläserquartett des Erzgebirgsensembles. Beeindruckend war die Breite des dargebotenen musikalischen Repertoires von klassischen Werken Bachs und Händels und alten Bergmannsweisen bis zu Blues und Evergreens gewürzt von zum Schmunzeln anregenden moderierenden Zwischenbemerkungen des Quartettleaders. Wie es sich für Bergleute gehört, fand das Konzert seinen würdigen Abschluss mit dem gemeinschaftlichen Singen des „Steigerliedes“.

Nach der Kultur schloss sich der „kulinarische Teil“ unser Befahrung an. Nach einer reichlichen und schmackhaften Bergvesper, zu der Speckfettbemmen, Blut-, Leberwurst- und Käsebrote mit  Glühwein, Bergmannsschnaps, Bier oder alkoholfreie Getränke nach Wunsch und Bedarf gereicht wurden, ging es zurück zur Grubenbahn, die uns wieder sicher aus dem Berg brachte.

Inzwischen war es dunkel geworden. Nach  einer „Lichterfahrt“ durch das Erzgebirge endete unsere Exkursion gegen 18.30 Uhr wieder am Ausgangspunkt in Siegmar. Dort entließ unser Regionalleiter Gunter Schlicke mit einem herzlichen „Glück auf“ und besten Wünschen in die Advents- und Weihnachtszeit des Jahres 2016.


Dr. Klaus Friedrich