Über den Tellerrand  geschaut am 27.03.2017 Zurück

Die Veröffentlichung zur Gründung einer Paradegruppe im Bergbautraditionsverein Wismut im Bergglöckchen machte Bergkamerad Alf Garde vom Verein Mansfelder Berg- und Hüttenleute e. V. neugierig, und so suchte er den Kontakt zu Bergkamerad Andreas Rössel. Die Gewinnung von neuen Mitgliedern für eine Paradegruppe und seinen Heimatverein ist auch sein Ziel. Ersten Telefongesprächen folge am 25.03.2017 ein Besuch einer Abordnung der Paradegruppe des BTV Wismut im Mansfelder Land. „Die 200km Entfernung war kein Hindernis um einmal über den Tellerrand zu schauen. Unser Verein ist in zwei Landesverbänden organisiert, warum dann nicht auch mal schauen wie die Bergkameraden in Sachsen-Anhalt Bergbautraditionen betreiben.“: so Andreas Rössel.

Der Tag begann mit der Besichtigung des Schmid-Schacht am südlichen Ortsrand von Helbra. Bis heute sind das Übertagegebäude und das Stahlfördergerüst erhalten. Der Schacht förderte bis 1860 Erz und diente später der Wasserhaltung. Der ortsansässige Verein bemüht sich redlich mit viel Enthusiasmus um die Erhaltung der Anlage. Das schöne Wetter war hervorragend dafür geeignet das Stahlfördergerüst zu besteigen und den Blick über die Bergbaulandschaft des Mansfelder Landes streifen zu lassen. Dabei erklärten die Mitglieder des Vereins die Geschichte des Bergbaus und die Technologie der Verhüttung der Kupfererze.

Im Anschluss setzte die Abordnung die Fahrt in den Oberharz fort, nach Bad Suderode. Bergkamerad Mario Steder vom dort ansässigen Bergbauverein erwartete bereits die Bergkameraden vom BTV Wismut. Es stand die Besichtigung des von Verein unterhaltenen Bergbaustollen „Lessinghöle“ an. 1546 wurde das Bergwerk unter Bergrat G. Kramer erstmals erwähnt. Man baute auf den noch erkennbar anstehenden Gängen, Flußspat, Kupferkies, Arsenkies und Bleiglanz ab. Im 17. Jahrhundert kam der Abbau zum Erliegen. 1905 erkundeten Otto Edler von Graeve und der aus Berlin stammende Chronist Lessing die alten Stollen. Daher auch der Name „Lessinghöle“. Danach wurde ein Wasserwerk errichtet, welches am 25.03.1909 durch Verbruch zerstört wurde. 1952 fanden letzte bergbauliche Untersuchungen durch die Wismut statt, die nach Uranlagerstätten suchten, aber hier anscheinend nicht fündig wurden.

Der Verein nutzt den Stollen derzeit für ein sehr erfolgreiches Schülerprojekt, welches jährlich durchgeführt wird, und interessiert so die Jungen für den Bergbau vergangener Zeiten und der daraus entstanden Bergbautraditionen. So findet immer am 2. Advent im Ort eine große Bergparade statt, über die bereits das MDR-Fernsehen berichtete, und die einzige regelmäßige Bergparade im Harz ist.

Im Gespräch erläutere Bergkamerad Mario Städter seine Aktivitäten im Verein und zeigte einige interessante Dokumente und Utensilien, die er dafür nutzt, neue junge Mitglieder für den Verein zu gewinnen.

Abschließend können alle Beteiligten sagen, der Besuch und der Erfahrungsaustausch haben sich gelohnt und sollte fortgesetzt werden. Andreas Rössel meint: „Dies könnte der Anfang einer langfristigen Vereinsfreundschaft sein.“ So wurde ausgelotet welche gemeinsamen Aktivitäten möglich sind. Die Teilnahme einer kleinen Abordnung des BTV Wismut an einer Bergparade im Jahr 2018 wurde dabei bereits ins Auge gefasst.