Exkursion zum Sanierungsstandort Königstein  am 13.09.2017 Zurück


Die Anreise zum Sanierungsstandort „Königstein“ erfolgte mit einem sehr bequemen Reisebus der Firma „Reisedienst Döhler“. Mit der Abfahrt warteten wir am Treffpunkt bis um 7.45 Uhr – vielleicht kommt doch noch ein Bergkamerad, denn es haben nur 17 Bergkameraden an unserer Exkursion teilgenommen. Während der Anreise versorgte uns der Bergkamerad Dr. M. Schauer mit Informationen zur Geologie der ehemaligen Uranlagerstätte „Königstein“ und beim Passieren des A17-Tunnels im Süden von Dresden offenbarte er, wie sich technische Härtegrade von Gesteinen „schönen“ lassen.


Um 10.00 Uhr empfing uns der Leiter des Sanierungsstandortes Herr Carsten Wedekind im Konferenzzimmer. In einem sehr interessanten Vortrag erläuterte uns Bergkamerad Wedekind den Verlauf der Sanierungs- und Verwahrungsarbeiten am Standort „Königstein“, der sich von anderen Standorten der WISMUT-GmbH darin unterscheidet, dass sich seine Lage im Landschaftsschutzgebiet „Sächsische Schweiz“ befindet und dass das Uran der Lagerstätte „Königstein“ von 1984 bis 1991mittels schwefelsaurer Laugung gewonnen worden ist. Das Konzept zur Verwahrung der Grube mit einem Hohlraum von ca. 8,7 Mio. m³ sah ihre Flutung vor. Man war sich aber darüber im Klaren, dass die Sofortflutung ein nicht vertretbares Risiko für die Umwelt darstellen würde. Das in der Grube und in den anstehenden Gesteinen verbliebene Uran sowie andere Schadstoffe würden in Lösung gehen und dabei die im Hangenden befindlichen Grundwasserleiter sowie sogar die Elbe belasten. Deshalb wurde ein Konzept zur gesteuerten, stufenweisen Flutung der Grube entwickelt. Über ein System von Kontrollstrecken im Norden und Nordwesten der Grube wird das sehr saure und kontaminierte Flutungswasser gefasst und in einer übertägigen Aufbereitungsanlage behandelt. Die Flutungswässer hatten anfangs laugungsbedingt einen pH-Wert von 0,9 bis 2,5 und Urangehalte bis 500 mg/l ! Im Januar 2013 wurde die Flutung des bisher genehmigten Teilbereiches I mit einem Flutungsniveau von 139,5 m ü. NN abgeschlossen. Damit ist bisher reichlich die Hälfte des gesamten Grubenhohlraumes geflutet.

 Die Sanierungsarbeiten über Tage sind weit fortgeschritten. Die Bergehalde „Schüsselgrund“ wird mit den Zielen einer dauerhaften Stabilität und der Reduzierung der Schadstofffreisetzung profiliert, abgedeckt und begrünt. Von der Festung Königstein aus ist der gute Verwahrungszustand dieser Halde deutlichsichtbar. Die Sanierung der Anlagen außerhalb des Betriebsgeländes ist abgeschlossen und auf dem Betriebsgelände selbst ist mit dem Abriss nicht mehrbenötigter Anlagen und Gebäude viel geschehen. Im Jahre 2015 ist symbolträchtig das letzte Fördergerüst des Standortes „Königstein“ gefallen und der Rückbau des Schachtkomplexes 388/390 ist beendet worden.

Nach diesem informativen Vortrag legten wir die vorgeschriebene Schutzkleidung an und wurden von Herrn Röder durch die Anlagen der Flutungswasseraufbereitung geführt. Die heute gehobenen und zur Behandlung aufgegebenen Flutungswässer haben immer noch einen pH-Wert von 3 und enthalten etwa 7 mg/l Uran. Insgesamt sind ca. 112,9 Mio.m³ (Stand: Ende 2015) Flutungswässer aufwendig behandelt und gereinigt in die Elbe abgeschlagen worden.

Für den Standort „Königstein“ ist vorgesehen, die Kernsanierung bis zum Jahre 2025 abzuschließen. Danach stehen die Überwachung der sanierten Objekte sowie die Reinigung der Flutungswässer im Vordergrund. Diese wird aufgrund der gegenwärtigen Genehmigungslage auf unbestimmte Zeit in gleicher Größenordnung wie bisher erforderlich bleiben.

Zur Sanierung und Verwahrung sind am Standort „Königstein“ Kosten von etwa 1.070 Mio. Euro angefallen (Stand: Ende 2015). Das ist bei einer Gewinnung von nur ca. 19.000 Tonnen Uran gegenüber anderer Urangewinnungsbetriebe der Wismut sehr viel. Man muss natürlich dabei bedenken, dass gerade die Urangewinnung durch schwefelsaure Laugung eine besonders langwierige und kostenintensive Sanierung notwendig macht.

Nach dem Mittagessen besuchten wir als kulturellen Beitrag die Festung Königstein. Mit einer Fläche von etwa 13 Fußballfeldern gehört sie zu den größten Bergfestungen Europas. Eingebettet in eine bizarre Felslandschaft aus Oberkreidesedimenten ist sie weithin als Tafelberg sichtbar. Die einst unbezwingbare Wehranlage bietet knapp 250 m über der Elbe einen fantastischen Ausblick auf die Nationalparkregion „Sächsische Schweiz“, auf das Osterzgebirge und auf die Bergehalde „Schüsselgrund“, die sich gut in das Landschaftsbild einfügt. Bei einer fast zweistündigen Führung lernten wir viele interessante Bauten und Einrichtungen kennen – wie z.B. die unterirdischen Kasematten, das Munitionsladesystem,die Riesenfassinstallation, den etwa 152 m tiefen Brunnen (im oberen Grundwasserleiter) und den Hubtisch „Tischlein-deck-dich“. Eine interessante und lehrreiche Führung – vielen Dank.

Glück auf !

Dr. Manfred Schauer