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Ich war Bergmann, das war schön! Vereinsmitglieder trauern um verdienstvolles Mitglied



Am 23. Mai 2017 begleitete die Paradegruppe des Bergbautraditionsvereins Wismut unser am 18. Mai 2017 verstorbene Vereinsmitglied, Rudolf Dietel auf seinem letzten Gang.

Die Biografie unseres Bergkameraden steht exemplarisch für so viele Lebensläufe der Generation von Kriegskindern, deren Väter auf den Kriegsschauplätzen des II. Weltkrieges ihr Leben verloren. Sie wuchsen mit Hunger und Entbehrungen auf und mussten schon früh zum Lebensunterhalt der Familie beitragen.

Rudolf Dietel stammte aus dem kleinen Erzgebirgsdorf Sosa. Dort wurde er am 23. August 1931 geboren. Nach dem Besuch der Schule begann er seine berufliche Tätigkeit als Hilfsarbeiter in einer Pappenfabrik. Der Lohn reichte nicht zum Überleben der Familie. Deshalb sprach seine Mutter bei einem ehemaligen Schulkameraden ihres gefallenen Mannes vor, er war Steiger in Johanngeorgenstadt. Auf dessen Fürsprache wurde Rudolf Dietel im Alter von 15. Jahren am 15. April 1947 in der Dienststelle der Feldposteinheit 27304 eingestellt. Bereits mit 16 Jahren, ein Jahr später, verfuhr er als Ausläufer, als Fördermann, unter Tage seine Schichten. Er gehörte also zum „Wismut Adel“. So werden bei uns im Westerzgebirge alle jene bezeichnet, die schon mit Gründung der SAG Wismut als Bergmann tätig waren.

Sein weiterer beruflicher Werdegang war bis zum Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess 1992 immer mit dem Bergbauunternehmen Wismut verbunden. Hier erhielt der Junge aus dem erzgebirgischen Bergbauerndorf die Chance zu studieren und seine Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entfalten. Zuletzt war er als Leiter des Dispatcherdienstes der Wismut tätig.

Nach dem politischen Wandel in der DDR, Anfang der 1990er Jahre, sahen sich die Bergleute der ehemaligen SDAG Wismut zahlreicher unsachlicher Angriffe ausgesetzt. Die Tätigkeit des Bergbauunternehmens wurde aus dem historischen Kontext gerissen. Das war eine Zeit, in welcher eine sachliche Darstellung der Geschichte des Bergbauunternehmens Wismut sehr schwierig war. Rudolf Dietel vertrat trotz zahlreicher auch persönlicher Anfeindungen seinen Standpunkt. Von Anfang an brachte er sich aktiv im neu gegründeten Bergbautraditionsverein Wismut ein. Bei Vorträgen und Presseartikeln nahm er zu aktuellen Themen der Geschichtsforschung Stellung.

Ich habe Rudolf Dietel im Jahre 1995 zu Beginn des Aufbaus unseres Museums Uranbergbau persönlich kennen und schätzen gelernt. Er unterstütze uns mit Rat und Tat. Aus seinem persönlichen Besitz überreichte er uns eine sehr schöne Kollektion Johanngeorgenstädter Mineralien als Dauerleihgabe.

In den langen Jahren meiner Tätigkeit als Museumsleiter des Museums Uranbergbau habe ich ihn als äußerst selbstdisziplinierten und prinzipienfesten Menschen kennen und schätzen gelernt. Rudolf Dietel war mit Leib und Seele Bergmann. Deshalb war es ihm Bedürfnis und Verpflichtung die Auftaktveranstaltung zum Bergmannstag in Bad Schlema, dem ehrenden Gedenken am Ehrenhain, als Redner aufzutreten. In den Jahren vor seiner schweren Erkrankung unterstützte er die Familien von verstorbenen Bergkameraden, um eine würdevolle bergmännische Beerdigung zu organisieren.

Rudolf Dietel wird uns mit seinem Sachverstand und seiner Lebenserfahrung fehlen.



Hermann Meinel

Leiter Museum Uranbergbau