Sommerexkursion ins Vogtland

Die Regionalgruppe Chemnitz hatte sich vorgenommen, eine Sommerexkursion ins Vogtland, genauer, in die Region Plauen durchzuführen. Beim Herannahen des Termins verdichtete sich der Verdacht, dass einer der heißesten Tage des Jahres mit Temperaturen um die 36-38 ° C zu erwarten war. Ungeachtet dessen fanden sich am Startpunkt in Chemnitz-Siegmar ca. zwanzig unerschrockene Vereinsmitglieder und Gäste ein.

Die Etappenziele der Ausfahrt waren zwar ohne besonderen Bezug zu irgend einem konkreten bergmännischen Hintergrund ausgewählt worden, aber zumindest den ältesten Mitfahrenden war bewusst und in Erinnerung, dass man ganz nahe an einem wichtigen Leistungsträger des Wismut-Bergbaues der 50-iger und 60-iger Jahre, der Grubenverwaltung Zobes (Objekt 06) und ihren Betriebsteilen vorbei fuhr. Der Nachlass dieser Wismut Phase wurde bereits zu DDR-Zeiten hinreichend saniert. Bis in die Gegenwart bedurften aber einige Objekte der gewissenhaften Nachsorge. Zu jener Zeit war die Autobahn von Chemnitz nach Plauen längst nicht fertig und nur als zweispuriges Provisorium, zum Teil in Kleinpflaster ausgeführt, vorhanden. Mit Kriegsausbruch hatte man die Bauarbeiten eingestellt. Danach war die Strecke als "Sackgasse" ins Vogtlanddreieck offenbar nicht sonderlich wichtig. Sie wurde schleppend weitergebaut und faktisch erst nach der Wende in der heutigen Dimension fertiggestellt.

Eine Stadt wie Plauen erschließt man dem Gast am besten im Zuge einer geführten Stadtrundfahrt. Dafür bot sich zweckmäßigerweise die historische Straßenbahn der "Sächsischen Elektrizitäts- und Straßenbahn GmbH" an, die langsam fährt und den Ausführungen der örtlichen Touristenführerin genügend Raum bietet. Über die Geschichte und die Entwicklung der Stadt und ihrer Straßenbahn gibt es mannigfaltige Berichte im Internet, die man nicht noch überbieten muss. Beim aufmerksamen Zuhörer und Betrachter bleibt haften, dass Plauen eigentlich ein weitgehend großstädtisches Ambiente hat. Immerhin gab es ja in besseren Zeiten dereinst fast 130.000 Einwohner. Seit dem hat die Stadt über die Hälfte ihrer Bürger durch Krieg, Abwanderung und Geburtenrückgang verloren. Trotzdem ist Plauen eine schöne und lebenswerte Stadt mit einer bemerkenswerten Umgebung. Auffallend sind die zahlreichen wunderschönen Jugendstil-und Gründerzeithäuser, die den vierzehn Bomberangriffen der Alliierten im 2. Weltkrieg widerstanden haben und saniert wurden. Auch auf die "Wismut Häuser" im Stadtbild, die für den großen Arbeitskräftebedarf der AG Wismut gebaut wurden, ist aufmerksam gemacht worden. Während der Rundfahrt stellte sich übrigens heraus, dass Plauen mit dem Allauenbergwerk "Ewiges Leben" unter Federführung des "Vogtländischen Bergknappenvereins Plauen" sogar ein achtbares Besucherbergwerk besitzt.

Die ausführlichen Erklärungen entlang der drei wichtigsten Linien der Straßenbahn erbrachten also allen Teilnehmern einen guten Einblick in die Entwicklung der Stadt, ihre herausragenden Baulichkeiten und ihre Sorgen.

Beim Mittagsmahl im Gasthof  "Altes Handelshaus" konnte man sich, sofern man wollte, mit vogtländischen Spezialitäten bekannt machen. Bemerkenswert war u.a. die Kombination Matjesfilet mit Bambes, was da heißt: mit Kartoffelpuffer.

Als zweites Ziel unserer Sommerexkursion wurde die Syrauer Windmühle angesteuert.

Sie ist übrigens die einzige erhalten gebliebene Windmühle des sächsischen Vogtlandes. Sie wurde 1851 als hölzerne Bockwindmühle errichtet, brannte seitdem zweimal ab und wurde immer wieder aufgebaut und modernisiert, zuletzt als 9m hohe Holländermühle mit Müllerhaus. Besonders interessant ist die Kraftübertragung von den Ruten (Flügeln) über ein großes Winkelgetriebe im Dach auf die Königswelle. Diese treibt nicht nur die beiden Mahlgänge sondern auch alle anderen Geräte der Mühle an. Mit wenig Ausnahmen besteht alles aus Holz. Die Mühle wurde bis 1929 aktiv betrieben. Seit 1982 ist sie technisches Museum mit einer kleinen aufschlussreichen Ausstellung zum Mühlenhandwerk.

Dritte und letzte Station unserer Exkursion war die Talsperre Pöhl. Sie ist mit einer überstauten Fläche von 425 ha die drittgrößte Talsperre Sachsens. Die Staumauer der Talsperre ist eine gekrümmte Gewichtsstaumauer aus Beton. Die Anlage wurde in den Jahren 1958 bis 1964 gebaut und staut die Trieb. Sie dient damit dem Hochwasserschutz, der Brauchwasserversorgung, der Niedrigwasseraufhöhung für Trieb und Weiße Elster, der Energieversorgung und von Anfang an im breiten Maße der Erholung und Freizeitgestaltung. Der Stausee selbst ist mit seinen beiden Vorsperren Teil des 3900 ha großen Landschaftsschutzgebietes "Talsperre Pöhl". Es gibt einen komfortablen Touristen- und Jahrescampingplatz, ein Wassersportzentrum mit einem überwachten Hauptbadestrand und zahlreichen Möglichkeiten für andere sportliche Aktivitäten. In den Sommermonaten werden Fahrgastschiff-Rundfahrten angeboten, eine Möglichkeit, die auch durch unsere Gruppe gern angenommen wurde. Beim seeseitigen Befahren der ca. 27 km langen Uferlinie wird einem erst richtig sichtbar und bewusst, dass die Talsperre Pöhl nicht nur Wasserspeicher und Sportgewässer sondern auch Lebensraum für zahlreiche schützenswerte Wasservögel und Pflanzen ist.

Mit diesen Eindrücken vom "Vogtländischen Meer" fand unsere Sommerexkursion ihr Ende.

Dr.-Ing. Heinrich Riedel