Ehemaliger Schacht 370

Der Schacht wurde zwischen 11/1955 und 11/1958 bis zur 180-m-Sohle und von 4/1964 bis 7/1970 zur 300-m-Sohle geteuft (296.6 m - Mauerung, 5 m Durchmesser). Er besaß sieben Füllorte auf den Sohlen 60 m, 120 m und aller 30 m auf den Sohlen 180 m bis 300 m. Nach dem Erreichen der 180-m-Sohle wurde der Schacht als Abwetterschacht ausgerüstet. Über einen ca. 5 m tiefen Kanal (Länge: 30 m) wurden die Abwetter mittels Ventilator durch den Schacht aus dem Grubengebäude gezogen. Nach dem ersten Einsatz eines Radiallüfters waren letztendlich zwei Axiallüfter (1964, 1973) im Einsatz, die eine Wettermenge von 300 m³/s, ca. 7.500 Mio. m³ im Jahr, erbrachten. Einer dieser Tagesschächte war der Schacht 370, der zum Bergbaubetrieb Schmirchau gehörte.

Da der Schacht gleichzeitig als Förder- und Seilfahrtsschacht diente, war das Fördergerüst dicht verschlagen (Vermeidung von Wetterkurzschlüssen). Das geförderte Haufwerk wurde mittels Bandbrücke über die heutige Brunnenstraße transportiert und unmittelbar danach als Kegelhalde abgelagert. Wegen des Baues der Werksbahn war die Umlagerung der Kegelhalde zur Tafelhalde 370 notwendig, diese Halde südlich des Felgenwerkes (1.4 Mio. m³) ist 2003 in den Aufschüttkörper des Tagebaues gekommen. Auf der Fläche der Tafelhalde 370 wurde im Jahre 2010 ein Regenwasserrückhaltebecken errichtet. Die Funktion als Abwetterschacht (Radonabführung unter Tage mit bis zu 10 kBq/m³) brachte eine höhere radioaktive Belastung im Umkreis des Schachtes über Tage mit sich.

Die Abwetterführung wurde 1993 eingestellt, der Schacht selbst 1995 verfüllt und nach dem Abbruch der Übertageanlagen einschließlich Lüfter 1998 mit Mutterboden überdeckt.

Am 12. November 2010 erfolgte die wasserrechtliche Abnahme des „Staubeckens Nr.191 des Thüringer Talsperrenregisters“. Das Bauwerk im Bereich der Aufstandsfläche der ehemaligen Tafelhalde 370 hat die Aufgabe, die Stadt Ronneburg im Hochwasserfall (HQ 100) vor Gefahren zu schützen. Dazu werden die auf dem Aufschüttkörper des Tagebaurestloches Lichtenberg sowie angrenzender Wassereinzugsgebiete (2.6 km²) anfallenden Niederschläge zurückgehalten. Das dafür zur Verfügung stehende Stauraumvolumen beträgt 141.000 m³. Das Regenwasserrückhaltebecken ist als Trockenbecken konzipiert und damit im Regelfall leer. Im Stauraum sind drei Feuchtbiotope angesiedelt, die als Trittsteinbiotop die Artenvielfalt im ansonsten relativ ausgeräumten Stauraumareal erhöhen sollen und zusätzlich als Sedimentfang dienen.

Infotafel zu der unmittelbar im Stadtgebiet gelegenen ehemaligen Betriebsfläche und Schachtanlage 370. Zur Verdeutlichung der damaligen Ortsnähe von  Schacht- und Betriebsanlagen der Wismut in der Stadt Ronneburg wurde zusätzlich eine Seilscheibenhälfte an der wiederhergestellten Wegeverbindung von Ronneburg zum alten Freibad und weiter nach Paitzdorf aufgestellt.

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Kegelhalde 370 (Bau Zufahrt Schacht 406) - 1966
Foto: Zorn